top of page

Menonitas no Brasil

Mennoniten in Brasilien

   Nachrichten und Mennonitische Geschichte 

14.09.2026


Esta página em português.
Clique
aqui!

 

 

Contato: 

menonitasnobrasil@gmail.com

whatsapp: (43) 99990 1023

Editor: Udo Siemens

Nova edição: segundas, às 13 hs

WhatsApp Image 2026-09-11 at 20.22.19 (1).jpeg


Als die mennonitischen Flüchtlinge 1930 Mölln verließen, sammelten sie Geld und beauftragten einen professionellen Holzbildhauer damit, eine Gedenktafel aus massivem Eichenholz zu entwerfen und anzufertigen, in die die Worte Jesu aus Matthäus 11,28–30 eingraviert waren, als Dank für die Aufnahme und Betreuung, die sie erfahren hatten.
 

 

Deutsche im Sonnenland

 Walter Quirings Reise 1932/33

in die eben gegründeten Kolonien

der Mennoniten in Paraguay und Brasilien

 



Hier
 

 

Einwanderung und Anfänge

der Mennoniten in Brasilien

Teil 22

    

   Auf einem mennonitischen Kongress in Nordamerika wird auch ein Referat über die vor wenigen Jahren eingewanderten Mennoniten in Brasilien gehalten. Es entstammt der Feder von Peter Klassen, dem Herausgeber der "Brücke", dem Blatt der Mennoniten in Santa Catarina. Unten folgt nun die Mitteilung der "Mennonitischen Rundschau" vom 16. September 1936.

   Darin erkennen wir die Kämpfe der ersten Jahre, dass die Leute vom Stoltzplateau zum größten Teil ihre Kolonie schon aufgegeben haben, dass man am Krauel endlich den Pflug gebrauchen kann, usw.

​​

    Weiter folgte dann der Bericht von P. Klassen, Witmarsum, Brasilien. Er konnte nicht persönlich zugegen sein, hatte aber ein Referat eingesandt.

    Den 16. Februar 1930 kam die Vorhut mit 180 Seelen auf dem Alten Rio Krauel an. Um anderthalb Monate kamen noch 300 Seelen und später die dritte Gruppe von 180 Seelen. Die holländische Organisation betreute diese Ansiedler, und auch das Deutsche Reich tut viel für diese junge Kolonie. Auch hier waren die Anfänge schwer. Von dem holländischen Komitee wurden Mittel vorgelegt um Mehl- und Schneidemühlen zu bauen, dann auch für Läden, ferner für Schulen, Krankenversorgung, für eine Kuh auf jede Familie, so wurde die Basis für das Fortkommen geschaffen. Auch eine kleine Büttere wurde eingerichtet. Auch hier hat es Enttäuschungen gegeben. Die Kolonie Auhagen beschloss im September 1931 die Kolonie zu verlassen und sich auf dem Paranáhochland niederzulassen, welches nach ihrer Meinung einen besseren Erfolg versprach. Es ist noch nicht klar, ob die Familien, welche Auhagen verlassen haben, den guten Teil gewählt haben gegen die, welche dort verblieben. 65 Familien haben Auhagen verlassen und 42 Familien sind noch geblieben. Die zurückgebliebenen sind eigentlich zu schwach, um vorwärts kommen zu können. Auch am Krauel haben viele die Kolonie verlassen.

    Aber die Krise scheint jetzt überwunden zu sein. Es wird schon Pflugland gemacht.

    Das erste gemeinschaftliche Haus war eine Schule, die auch als Kirche benutzt wird. Es sind hier vier Gemeinden vertreten, aber die verschiedenen Richtungen machten keinen Unterschied in ihren Gottesdiensten. Im Mai 1935 wurde die erste Konferenz abgehalten. Das neue Vaterland bietet ihnen religiöse Freiheit. Manche ihrer Lehrer haben bereits die brasilianische Sprache soweit erlernt, dass sie das Staatsexamen machen konnten. Sie haben auch die Möglichkeit die Kinder in der Muttersprache zu unterrichten. Die Schulgebäude sind aus holländischen Mitteln erbaut, sie haben mehrere Volksschulen, dann auch eine Mittelschule. An allen Schulen zusammen sind 270 Schüler. Sie haben dann weiter ein Krankenhaus. Auch in Brasilien ist die Gefahr, dass durch die Assimilation in der Zerstreuung viele unterer Leute uns verloren gehen werden.

    Trotz mancher entmutigender Verhältnisse wollen sie Mut halten und weiterstreben.

MR 1936-09-16

   Die Mennoniten der ersten drei Schiffe fanden Platz am Krauel; die Nachkommenden wurden auf das Stoltz-Plateau gebracht. Die holländischen Brüder halfen unseren Vätern, während sich das MCC lieber den paraguaischen Mennoniten widmete, denn diese könnten das mennonitische Ideal besser verwirklichen.

   Die Holzverarbeitung brachte den Mennoniten zu Beginn ihr erstes Geld.

   Aber die Krise war unübersehbar, denn die Leute vom Stoltz-Plateau fingen bald an wegzuziehen. Das Holz war dort viel härter als am Krauel und ließ sich schwerer zu Geld machen. Der Weg zur Kolonie war ebenfalls viel beschwerlicher.

   Schule und Gemeinde funktionierten, aber die Gefahr der Zerstreuung der Mennoniten war schon da. Und das war allen klar: Das Mennonitsein hing davon ab, in geschlossenen Kolonien zu leben. So wie in Russland. Oder jetzt in Paraguay.



Cristã que escolheu ter bebê fruto de estupro testemunha: ‘Deus transformou o mal em bem’

Duzentos anos de miscigenação judaica na Amazônia

Polícia chinesa interrompe culto e detém mais de 30 cristãos, incluindo crianças

Igreja impede ritual da ‘Lavagem da Madeleine’, celebração afro-brasileira em Paris

"Você mexe comigo": Igreja faz acordo de R$106 mil após acusação de assédio

Mãe é acusada de matar filho de 2 anos por crer que ele era o "anticristo"

Decretar que o Brasil é do Senhor Jesus Cristo”: Flávio reforça voto evangélico

Muito além dos templos: evangélicos no acolhimento a migrantes

Da pregação nos presídios ao envolvimento com o crime organizado: investigação revela suposta vida dupla de missionária

Video: Woran wir glauben. Die Natur des Menschen

Mein Glaube gibt mir in schweren Zeiten Halt

Wie sich der Muslim Milad Karimi in den christlichen Glauben verliebte

95 gute Gründe, evangelisch zu sein – doch die persönliche Antwort fehlt

O que significa andar sempre olhando para baixo

Conheça a escola voltada ao público 60+ que já atendeu mais de 1 mil alunos e avança com franquias

Por que a natureza te faz sentir mais calmo?

'O que aprendi ao ter um AVC aos 26 anos'

Das Ende der Narben

Geistige Aktivität senkt Demenzrisiko auch bei bewegungsarmem Lebensstil

Stressabbau: 15 Minuten Musik senken negative Gefühle messbar

Nova onda de frio volta com força pelo Paraná e temperaturas despencam; veja quando será mais intenso

Frio não dará trégua e trará sensação de inverno prolongado

Motorista de aplicativo aceita corrida em uma manhã de domingo para levar passageira com deficiência visual a concurso da Udesc, percebe que ...

Motorista de aplicativo aceita corrida de R$ 165 para levar idoso até Morretes, percebe que passageiro havia confundido restaurantes  ...

Profissionais de IA estão 'genuinamente assustados' com futuro da humanidade

Sie hat Deutschland verlassen, um in Paraguay ganz neu anzufangen, und hat heute ihre eigene Bäckerei

Weltweiter „Godzilla-El-Niño“ bahnt sich an: Forscher alarmiert

Wetter-Überraschung im September: Deutschland steht nächste Hitze mit bis zu 36 Grad bevor

André Mendonça, o ministro "terrivelmente evangélico" do Supremo que molda a eleição no Brasil

Traição? Mensagens reveladas pela PF mostram marido de Patrícia Abravanel encomendando mulheres com Vorcaro para encontros

STF confirma transmissão ao vivo de sessão sobre Moraes

Fachin assume relatoria da discussão sobre suposta relação entre Moraes e Vorcaro e remete à presidência do STF investigações sobre INSS e Master

Fachin quer ouvir ex-presidentes do STF sobre crise na Corte.

Após ordem de Fachin, Mendonça levanta sigilo do Caso Master.

Lula deve muito a Moraes para ‘largar’ sua mão e fingir distância do ministro enrolado com Vorcaro

Mario Frias diz que patrocínio do Master a “Dark Horse” não é crime.

Dino proíbe Mario Frias de deixar o Brasil e falar com investigados.

Pesquisa: Marcel Van Hattem assume dianteira pelo Senado e embaralha disputa no RS

TRE-PR aprova candidatura de Deltan Dallagnol ao Senado.

Cury afirma que não apoiaria em hipótese alguma Lula no 2º turno

Flávio ultrapassa Lula em MG; estado tem sido chave na eleição

Virada numérica em MG acende alerta para Lula

Flávio tem 47% ante 40% de Lula no 2º turno, diz pesquisa.

Av. Paulista lotada para Flávio contrasta com esvaziamento de Lula no 7 de Setembro

Lula reage e vira sobre Flávio Bolsonaro no 2º turno

Quaest: Flávio passa Lula no segundo turno numericamente

Eleição será 51% a 49%, só não sabemos para quem”, diz Esteves...

STF forma maioria contra novo recurso de soltura a Bolsonaro.

José Sarney, 96 anos, é internado com pneumonia em hospital de São Luís

Rússia gasta 25 milhões de euros por hora na guerra: despesa militar bate novo recorde


 

WhatsApp Image 2026-09-10 at 13.00.59.jpeg
Âncora 1

Deutsche im Sonnenland

 Walter Quirings Reise 1932/33

in die eben gegründeten Kolonien

der Mennoniten in Paraguay und Brasilien

Teil 21

     Dr. Walter Quiring machte 1932/33 eine Reise nach Süd- und Nordamerika. Über ein Jahr lebte Herr Quiring bei mennonitischen Glaubensgenossen im Chaco von Paraguay und reiste von dort über Argentinien und Uruguay nach Brasilien, wo er etwa drei Monate lang in den mennonitischen Hansakolonien arbeitete.

    Er schrieb danach ein Reisetagebuch, das im "Boten" veröffentlicht wurde. Ich gebe es etwas gekürzt wieder.

20. Zwischen Rio und New York.

    Lange stehe ich noch auf dem Achterdeck am Bordgitter und schaue auf die besonnte Märchenstadt hinüber. Leider entzieht sie sich unseren Blicken viel zu bald, denn als wir das Felsentor vor Rio passiert haben, sind nur noch Ausschnitte von ihr zu sehen.

    Meine Kabine ist raumverschwenderisch groß, zwar gut eingerichtet und sauber, aber doch irgendwie muffig und ungemütlich. Und dann die verschiedenartigen jahrzehntelangen Gerüche. Gegen diese hilft auch kein Lüften mehr, so fest sitzen sie im Holz. Und gerade sie sind die besten Anreger der Seekrankheit.

    Als ich in den Speisesaal komme, finde ich dort schon alle Reisenden unserer Klasse beisammen — ganze vier Personen. Die erste Klasse hat vielleicht zehn und die dritte zwölf Fahrgäste, im ganzen 28, während unsere „Monte Sarmiento" über 600 an Bord hatte.

    Früh gehe ich an diesem ersten Abend zu Bett. Leider muss ich das Bullauge schließen (das Schiffsfenster seiner Kabine), weil die See unruhig ist und die Wellen zum Fenster hereinspritzen.

    Ich kann noch nicht lange geschlafen haben, als ich von einem eigentümlichen Jucken aufwache, das mir noch aus einigen Chacohäusern wohl vertraut ist. Sollten das wirklich Wanzen sein?

    Ich mache Licht. Tatsächlich, springlebendig spazieren die roten Gesellen auf dem Bettuch einher. Fünfzehn Stück zähle ich, und wieviele mögen sich schon in Sicherheit gebracht haben! Das sind ja nette Aussichten für die nächsten vierzehn Nächte.

    Der Steward, dem ich läute, ist bass erstaunt. Er versucht mit einem Scherz über die unangenehme Tatsache hinwegzukommen. Wie man die bugs wohl auf deutschen Schiffen nenne, will er wissen.

    „Auf unseren Schiffen? Deutsche Schiffe führen keine Wanzen, erst recht nicht in der zweiten Klasse . . ."

    Der Amerikaner kratzt sich den Schopf. Was tun? Die Kabine wechseln? Aber diese roten Untermieter beschränken sich wahrscheinlich nicht nur auf meine Kabine, das kann ihm nicht unbekannt sein.

    „Am besten ists, ich spritze noch einmal," meint John schließlich. Und wirklich, das hilft. Aber nun muss diese Vorsichtsmaßnahme jeden Abend beobachtet werden, wenn ich nachts Ruhe haben will.

    Gern würde ich diese vierzehntägige Seefahrt abkürzen, wenn das ginge. Das Erlebnis ist nicht mehr neu, und auch der stärkste Eindruck wird durch die Gewohnheit allmählich abgestumpft. Mit jedem Tage lästiger wird mir jetzt auch die ewige Hitze, aber in den nächsten zehn Tagen sollen wir noch vergebens auf Abkühlung warten.

    Die Fahrgäste erster Klasse sind fast ausschließlich Juden (Juden waren den damaligen Deutschen ein ständiger Dorn im Auge – leider bildeten auch viele Mennoniten keine Ausnahme. Man meinte, in ihnen nur schlechte Eigenschaften zu sehen. Dass aber eben diese Deutschen bald darauf die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begehen würden, ahnte damals noch niemand.), deren lautes, polterndes Benehmen unangenehm auffällt. Dass ich Deutscher bin, hat sich scheinbar rasch herumgesprochen. Die Fahrgäste unserer Klasse haben ein kleines Stück des Decks erster Klasse zugewiesen bekommen. Ich lasse mir einen Liegestuhl herrichten, sitze tags über in der etwas frischeren Luft draußen und arbeite an einem Bericht für das M. Z. K. Morgens und abends mache ich einen langen Spaziergang, immer um das Schiff herum.

    An einem der ersten Tage morgens begegne ich dabei einem alten Herrn, den ich bis dahin noch nicht gesehen hatte. Als ich an ihm vorübergehe, grüße ich, wie das auf Schiffen üblich ist. Aber der Unbekannte wirft mir einen bitterbösen Blick zu und wendet sich hochmütig ab, ohne den Gruß zu erwidern.

    Nanu? Warum so unhöflich?

    Schlecht geschlafen oder mit Muttern gezankt? Bei der zweiten Runde sehe ich mir den Mann etwas aufmerksamer an. Aha, ein Sohn Israels ist das. Daher dieses Verhalten. Aber weil sein ungezogenes Benehmen nicht nur mich persönlich, sondern den Deutschen an sich treffen sollte, muss ich ihm auch sozusagen im Namen meiner Volksgenossen einen kleinen Denkzettel mitgeben. Und als ich das dritte Mal an seinem Standort vorbeikomme, setze ich eine verbindliche Miene auf und hebe die Hand zum deutschen Gruß. Aber das stumme „Heil Hitler" wirkt auf meinen Fahrtgenossen wie das bekannte rote Tuch auf den Stier. Puterrot wird er im Gesicht. Wie ein Wirbelwind dreht er sich einmal um sich selber und verschwindet, ohne ein Wort zu sagen. Und während der ganzen zwei Wochen langen Fahrt bekomme ich ihn nicht ein einziges Mal mehr zu sehen.

    Noch ein zweites Erlebnis habe ich am selben Tage mit einem Juden. Ganz unvermittelt setzt sich ein Fahrgast zu mir und fragt in stümperhaftem Deutsch, ob ich Deutscher sei. Er würde nämlich gern deutsch lernen bei mir, meint er, einige Stunden am Tage. Sein Arztberuf führe ihm auch oft Neueingewanderte Deutsche zu, die kein Englisch sprächen. Ich erweise also eigentlich nicht ihm, sondern meinen Landsleuten einen Dienst, wenn ich ihn unterrichte. So die Logik des Juden. Als ich dieses einseitige Geschäft ganz unmissverständlich ablehne, wird der Abstand zwischen mir und jenen Fahrgästen bald größer, und ich bleibe die Tage hindurch unbehelligt.

    Am zehnten Reisetage etwa nähern wir uns der Orinocomündung. Die „Western World" soll fahrplanmäßig Port of Spain auf der Insel Trinidad anlaufen. Es ist ein malerisches Bild, die große Inselgruppe auf dem hier buchstäblich spiegelglatten Wasser langsam auf uns zuschwimmen zu sehen. Rechts liegt die romantische Insel Tobago, auf der das Urbild des berühmten Robinson gelebt haben soll, und links das größere Trinidad.

    Die Fahrgäste dürfen schon in San Fernandez an Land, wo der Dampfer Oel tanken will. Die Schiffsleitung hat für uns telegraphisch Wagen bestellt, um eine Fahrt durch die Insel machen zu können. Auch ich schließe mich einer Gruppe an.

    Man glaubt, uns zuerst eine 45 Meilen landeinwärts liegende Teerfabrik zeigen zu sollen, in der Schwarze gerade am laufenden Band Fässer herstellen.

    Die Fahrt geht auf einer ausgezeichneten Straße durch ausgedehnte Kaffee-, Kakao-, Tee-, Zuckerrohr- und Bananenplantagen. Einen unschätzbaren Reichtum birgt diese Insel, und England hat nicht versäumt, sie in kluger Voraussicht in seinen Besitz zu bringen.

    In Port of Spain fährt uns der chinesische Chauffeur in ein vornehmes Gasthaus außerhalb der Stadt. Es ist ein kleines Paradies, dieses Hotel mit dem prachtvollen Garten! Nach dem Mittagessen löse ich mich von der Gesellschaft, um die Stadt auf eigene Faust kennenzulernen. Sie hat 100 000 Einwohner, meist Schwarze und Mischlinge. Die Stadt selber bietet mit ihren niedrigen Häusern und schmutzigen Straßen wenig Sehenswürdiges. Um so schöner sind dafür die Gärten im englischen Villenviertel; hier lacht einen eine Blumenpracht entgegen, die in einigen Gärten für den Nordländer geradezu etwas unwirklich Schönes hat.

    Am 6. Dezember abends sollen wir in New York sein. Wenige Tage vor der Ankunft kühlt es ganz plötzlich ab, und einige Tage darauf haben wir den schönsten Sturm. Unsere etwas plumpe und alte „Western World" beginnt stark seitwärts zu schaukeln, was zur Folge hat, dass der Speisesaal bis zum Schluss der Reise leer bleibt. Nun holt sich die Seekrankheit doch noch ihre Opfer! Aber am letzten Reisetag wird es wieder ruhiger. Ab und zu blinzelt sogar die Sonne durch die Wolken. Die Fahrstraße wird allmählich belebter. Eine ganze Reihe kleiner Dampfer kommt uns entgegen. Gegen Abend passieren wir das Feuerschiff und bald darauf ununterbrochen Leuchttürme, Bojen, Blinkfeuer und Glockenbojen. Die See ist wieder glatt, aber kalt ist es, für mein Empfinden schneidend kalt. Ich habe alles angezogen, was mir an Wäsche und Kleidern zur Verfügung steht, doch ist mein Sommermantel für dieses Klima zu dünn. Aber jetzt drinnen zu sitzen brächte ich nicht fertig.

 „Der Bote" Mittwoch, den 23. Dezember

 

    Und dann endlich beginnt sich weit vorn am Horizont ein langer, heller Lichtstreifen abzuheben. Das ist New York! Leider wird es noch diesiger und unsichtiger. Immer näher kommt die Riesenstadt. Wir nehmen den Lotsen an Bord und gehen auf halbe Fahrt. Ganz langsam treibt die „Western World" in den Lichtfleck hinein.

    Dort kommt links auch das von Scheinwerfern beleuchtete Freiheitsstandbild in Sicht. Jawohl, das ist es; genau so sieht es auch auf den Bildern aus. Die vielen Millionen Lichter da vorne werden immer heller. Von weitem sehe ich ziemlich hoch in der Luft ein seltsames Gebilde aus unzähligen Lichtern, das in der Dunkelheit irgendwie chinesisch-phantastisch aussieht. Lange kann ich nicht ausmachen, was das ist, erst als wir ganz nahe sind, erkenne ich, dass dort die berühmten Wolkenkratzer hochragen.

    Die Bucht wird allmählich enger. Vorn tauchen die Docks, die Lagerschuppen und Anlegestellen auf. Dann stoppt unser Dampfer. Motorboote kommen heran und legen an. Sie bringen die gefürchtete Einwanderungsbehörde. Ein großes schwimmendes Haus macht an der Seite fest, um die Post aufzunehmen.

    Wir werden in den Speisesaal gebeten, wo eine vielköpfige Kommission die Papiere prüft. Meine allmählich dünn gewordene Brieftasche, nach der sich der Einwanderungskommissar angelegentlich erkundigt, verursacht einiges Kopfschütteln, aber für zehn Tage könne es vielleicht doch noch langen, meint er gut gelaunt.

    Draußen überreicht mir der Schiffskommissar einen Brief. Levy Mumaw lese ich. Das ist der Sekretär des M. Z. K. Er sei gekommen, mich abzuholen, schreibt er. An der Gepäckkontrolle beim Buchstaben Q wolle er mich erwarten.

    Als wir endlich an Land dürfen, sehe ich an dem großen, an einen Pfahl gezeichneten Q niemand. Etwas abseits steht zwar ein Herr, offenbar ein katholischer Priester mit schwarzem, oben geschlossenem Rock. Das dürfte kaum Herr Mumaw sein. Als sich aber niemand anders zeigt, gehe ich doch auf den Herrn zu. Jawohl, er sei Levy Mumaw. Da fällt mir auch ein gehört zu haben, dass die Altmennoniten hier im Osten eine besondere Tracht kennzeichnet.

    Mit Herrn Mumaws Hilfe ist die Gepäckkontrolle in weniger als einer Minute erledigt: wir winken ein Auto heran, und erst als dieses sich mit leichtem Ruck in Bewegung setzt, kommt es mir so recht zum Bewusstsein, dass ich nun wirklich und tatsächlich in New York bin.

    Einer meiner Jugendträume wird Wirklichkeit. . .

 

Zehn Tage in Nordamerika.

   

    Nun bin ich ganz Auge. Nichts will ich mir hier entgehen lassen, auch das Kleinste nicht. Über die lange Brooklynbrücke fahren wir geradeswegs in die dunklen wolkenkratzenden Ungetüme hinein. Sind das Kolosse! Und die Millionen Lichter! Ich muss schon senkrecht in die Höhe schauen, wenn ich die höchsten sehen will.

    „Wir fahren zuerst noch auf Eure „Bremen", sagt Herr Mumaw in seinem für unser Ohr eigenartigen Pennsylvaniadeutsch. „Mister Orie Miller und ein anderer Bruder reisen heute ab nach Afrika, um dort eine mennonitische Mission zu gründen."

    Eigentlich hatte man mich am dritten Dezember in Philadelphia zu einer Konferenz erwartet, aber es war nur aus den angeführten Gründen nicht möglich gewesen, früher in New York zu sein.

    Fast endlos lang erscheinen mir diese Straßen. Der Fahrer muss wiederholt halten, um nach dem Dock der „Bremen" zu fragen. Endlich haben wir die gewaltige Halle gefunden. Dort liegt unser stolzes Riesenschiff.

    Eine lange Wagenreihe schiebt sich hier vor die Aufzüge, und hunderte Menschen streben über die Schiffsbrücke in das Innere unseres größten Dampfers.

    Es ist nicht leicht, Herrn Miller in diesem Gewühl zu finden. Wir fragen zuerst in der ersten, dann in der zweiten und schließlich auch in der dritten Klasse nach, aber den Namen Orie Miller hat man nicht auf den Listen. Man verweist uns schließlich an das Büro vor das Schiff, wo wir die Gesamtliste einsehen könnten. Und richtig, in der Touristenklasse steht der Gesuchte verzeichnet.

    Eine ganze Stadt für sich ist das, diese „Bremen". Wie das im Schein der Lampen alles blitzt und blinkt! In einem Saal der ersten Klasse sehe ich in der Mitte einen erhöhten, kioskartigen Bau aus Glas, in dem auf Regalen wertvollster Schmuck ausgestellt ist.

    „Verkäuflich?" frage ich den Wachmann.

    „Wertsachen der Fahrgäste", antwortet er.

    Man verweist uns in einen Raum, in dem eine Versammlung abgehalten werde, möglicherweise seien das die gesuchten Mennonites.

    Und richtig, sie sind es. Ich sehe vielleicht sechzig Menschen, Männer und Frauen, versammelt, die ihren Afrikareisenden das Geleit geben. Man hält gerade einen Gottesdienst ab. Da der Prediger etwas leise und hastig spricht, verstehe ich ihn nicht und sehe mir währenddessen die Gesichter an.

    Die Versammelten scheinen in der Hauptsache Angehörige des Mittelstandes zu sein. Männer und Frauen sind ausnahmslos dunkel gekleidet, während die Männer die erwähnten geschlossenen Röcke tragen, sehe ich die Frauen in Faltenröcken und in hutartigen Hauben, weißen und schwarzen.

    Und die Gesichter? Die Ähnlichkeit ihres Ausdruckes fällt mir auf. Er ist bei allen sehr ruhig, auffällig gesammelt und stark nach innen gekehrt. Das, was mir schon in den Gesichtern der Kanadadeutschen aufgefallen war, diese Unbewusstheit, das treuherzige Vertrauen zum Nächsten und die Bereitwilligkeit, immer zu helfen, hier finde ich das alles in verstärktem Maße ausgeprägt. Nur dass in jenen das gestaltende Überlieferung war, was hier Ausdruck der gereiften christlichen Persönlichkeit zu sein scheint. Aber es ist keine weltfremde Entsagung, kein sektiererischer Fanatismus, der aus diesen Gesichtern spricht, sondern ein fast schwermütiger Ernst, es ist die sich auch im Gesicht ausprägende christliche Weltanschauung.

    Ungeniert knien nach dem Gesang alle nieder zum Gebet. Sofort wird es in dem großen Saal, in dem auch viele andere Fahrgäste und Begleitpersonen versammelt sind, ganz still.

    Nach dem Gottesdienst stellt mich Herr Mumaw einigen der Herren vor. Auch der alte Herr Möllinger ist da. Wir gehen hinunter in Millers Kabine, wo wir uns eine knappe halbe Stunde unterhalten können. Dann ertönt das Signal: „Besucher von Bord!"

    Frau Miller fährt mit uns ins Hotel. Ich höre das „National Bible Institut" nennen. Dieses liegt weit weg in der 55. Weststraße, und wieder geht es durch lange, lange Straßen. Es schneit ununterbrochen. Eine fast weihnachtlich feiertägliche Stimmung kommt über mich. Der Frost knirscht unter den Reifen. Endlich bin ich wieder in unserem gewohnten Klima und habe die lästige Hitze abgeschüttelt.

    Dass die Amerikaner sehr praktische Leute sind, finde ich in diesen Tagen auf Schritt und Tritt bestätigt. Vorn knapp unter der Decke des Wagens arbeitet selbsttätig eine kleine Werbevorrichtung. Für Sekunden erscheint in einem Rahmen hellerleuchtet das Werbeschild einer Firma, um nach wenigen Augenblicken von selber wieder umzublättern, und einem neuen Schild Platz zu machen.

    Die Vorrichtung ist so angebracht, dass der Mitfahrer die Anpreisungen irgendeines Artikels lesen muss, ob er will oder nicht. Manche Wagen haben auch Rundfunkgerät eingebaut, eine Einrichtung, die aber nur für Überlandfahrten zweckmäßig sein dürfte.

    Kilometer um Kilometer rollen wir so durch die schier endlos langen Straßen. Schon zeigt die Zähluhr 3.20 Dollar.

    „Das geht bei die Uhr!" meint Herr Mumaw und zeigt auf den Zähler. Aber da sind wir endlich am Ziel, unser Wagen hält vor einem hohen dunklen Gebäude.

    Ich werde von einer Negerin in ein kleines überaus nüchternes Zimmer geführt. Es ist weder sauber noch ordentlich, dafür aber für amerikanische Verhältnisse billig, es kostet $1.25. Ich stelle fest, dass das Wasser im Waschbecken nicht ablaufen kann und dass auch der Lichtschalter nicht gehorcht. Aber die Hauptsache: das Bett ist sauber.

    Ich schaue zum Fenster hinaus. Das Haus uns gegenüber mag vielleicht 25 Stockwerke hoch sein, also ein Zwerg für New Yorker Höhenverhältnisse. Große, weiche Schneeflocken schweben sachte durch den Lichtschein der Lampen und setzen sich behutsam auf die vorerst hauchdünne Schneedecke.

    Das ist endlich wieder unsere gewohnte Welt: Norden, Winter, Leben, Kampf! Nicht dieser ewige Frühling, die entnervende Hitze mit der trägen Schlappheit, nicht die satte Genügsamkeit und bequeme Gleichgültigkeit des Südens. . .

„Der Bote" Mittwoch, den 30. Dezember

Fortsetzung folgt




              Weitere Inhalte
 

 

- Deutsche im Sonnenland​                                                Hier

-Einwanderung und Anfänge der Mennoniten in Brasilien        Hier

-Die Mennoniten Brasiliens sterben aus                                                        Hier

- "Geschichten aus der Geschichte der Mennoniten"

Das Programm vom Jahr 2025          - Hier

Das Programm vom Jahr 2024          - Hier 

Das Programm vom Jahr 2023          - Hier

 


Texte, die über Whatsapp angefordert werden können:

1930 Weihnachten bei den Deutschrussen im Flüchtlingslager

- Ob der Prediger es schaffen wird, Russland zu verlassen

- Warum wir die Auswanderung verpasst haben

​- Nicht alle haben am Roten Tor gesungen

-Ak-Metschet - eine Mennonitenkolonie im fernen Asien     

- Russland im Jahre 1929, Der Bote                                     

Die vielfältigen Rollen der Mennoniten im Holocaust     

           Helene Berg - mennonitische Hebamme in Molotschna, eine gute Bekannte Himmlers, ein Naziführer                                                                                                                           

             Amalie Reimer - aus Chortitza, Mennonitin, Agentin der Kommunisten, Kollaborateurin der Nazis.                                             

Ein Besuch bei den Amischen Mennoniten - Cornelius Krahn

-Flucht aus der Hölle Stalins

-Schreckenstage in Moskau Was unsere Eltern in jenen Novembertagen erlebt haben ​anhand von Berichten der Mennonitischen Rundschau

- Die hutterischen Brüder - Wanderungen und Leid     

-Texte:Brautschau eines Predigers, Gehen Mennoniten in der Stadt unter?, u.a.m.

-Die Mennoniten Russlands und die Zaren    

-Das tragische Ende der Danzig- Westpreußischen Mennoniten Gemeinden

-Turkestan-Eine mennonitische Auswanderung mit Folgen

- Die Autobiographie Wilhelm Hüberts 

- Mennoniten in Polen/Preussen 

Die erste Auswanderung der Mennoniten nach Südrussland 

- Tagebuch aus dem Reich des Totentanzes - Ein Bericht über die Zeit von Machnos Terror unter den Mennoniten 

​​- Erinnerungen aus dem alten und neuen Rußland

- Besuch bei den Aultkolonia, Bolivien        

- Mennoniten und die Herstellung von alkoholischen Getränken in Russland 

Erinnerungen an Moskau1929, Heinrich Martins 

Schwere Verbrechen und Vergehen in Russland 

Was macht mennonitische Beerdigungen so einzigartig?   

Mennonitische Namen 

Reisen eines Schweizers nach Südrussland, 1822-1828  

Über die Abspaltung der Sectierer. Geschichte der Gründung der MBG in Russland in den Augen eines Aussenseiters  

- Die Reise von Charbin zum Chaco​ - Irmgards Vorfahre erzählt dieses Abenteuer             

- Lehrer Heinrich Heese (1787-1868)​ -Die Widerwärtigkeiten eines bedeutenden Lehrers unter den Mennoniten Russlands

-Als der Weltkrieg zu Ende ging, welche Nachrichten unsere Eltern bewegten 

Der "Stundismus" - Eine evangelische (rein russische) Erweckung zur Zeit der Mennoniten in Russland                                                               

​​

​​​

bottom of page